Patio13 | Beitrag Sozialmagazin 2/2018: »Straßenpädagogik« online studieren
„Patio 13 – Schule für Straßenkinder“ ist eine internationale Bildungsinitiative der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der kolumbianischen Lehrerbildung („Escuelas Normales Superiores“), an der namhafte Universitäten in Deutschland (Heidelberg und Freiburg) und in Kolumbien (Universidad de Antioquia, Medellín, und Universidad Externado de Colombia, Bogotá) beteiligt sind.
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online studieren

Beitrag Sozialmagazin 2/2018: »Straßenpädagogik« online studieren

Das E-Learning-Programm zur Straßenpädagogik »Bildung für Kinder und Jugendliche in riskanten
Lebenssituationen« ist ein von der Uni- versität Heidelberg (Abteilung Wissenschaftliche
Weiterbildung) an- gebotenes anderthalbjähriges Studium, das dazu qualifiziert, jungen Menschen am
Rande der Gesellschaft Bildungsangebote zu machen, die ihre Zukunftsaussichten verbessern sollen.
Geeignet ist es für Mit- arbeiter_innen staatlicher und kirchlicher Einrichtungen, sozialer und
entwicklungspolitischer Organisationen, Studierende beliebiger Fach- richtungen, ehemalige
Volunteers sowie für alle Interessierten und Engagierten.

 

Die internationale Initiative »Patio13 – Schule für Straßenkinder«

Ausgangspunkt des Projekts »Patio13 – Schule für Straßenkinder«, aus dem heraus das
E-Learning-Programm entstanden ist, steht die
Erkenntnis, dass Kinder und Jugendliche, die ihr Leben in riskanten Lebenslagen und ohne
gesellschaftliche Teilhabe fristen, nicht nur caritative Hilfe, sondern auch Orientierungs-
und Bildungsangebote brauchen, um ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und ihre
Zukunftschancen verbessern zu können. Bildung ist die wirksamste Hilfe zur Selbsthilfe. Patio13
wurde im Jahr 2000 als deutsch-kolumbianische Bildungsinitiative gegründet. Im Laufe von nun 18
Jahren entfaltete das Projekt zahlreiche Aktivitäten in Kolumbien und in Deutschland. Aufbauend auf
den Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen der Straße hauptsächlich in der
kolumbianischen Hauptstadt Bogotá und der Millionenmetropole Medellín und auf der Grundlage
von wissenschaftlichen Forschungsvorhaben, die dort durchgeführt wurden, entstand –
dokumentiert in Büchern, Filmen und Internetauftritten – das wissenschaftlich-pädagogische Konzept einer Straßenpädagogik zunächst als Inhalt eines
Masterstudiengangs an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Heidel- berg und Freiburg,
sodann eines Online-Angebots.
Die Teilnehmer_innen absolvieren das Programm berufs- oder studienbegleitend, und sie sind dabei
ortsunabhängig und zeitlich flexibel.

Straßenpädagogik online

Das E-Learning-Programm Straßenpädagogik ist von je- dem beliebigen Ort aus zugänglich. Unterstützt
von »Don Bosco Straßen-kinder«,Bonn, und dem Kindermissions- werk, Aachen, wird das Programm in
zwei Versionen angeboten, auf Spanisch durch die Escuela Normal Superior María
Auxiliadora in Copacabana bei Medellín und auf Deutsch von der Abteilung für
Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Heidelberg.
Das Programm besteht aus sechs Kursen und dauert insgesamt etwa anderthalb Jahre. Es dient der
Qualifizierung von allen, die sich um die Lebenssituation sowie die Verbesserung der Chancen und der Zukunftsaussichten von jungen Menschen in Benachteiligung und
Risikola- gen kümmern. Die Teilnehmer_innen absolvieren das Programm berufs- oder
studienbegleitend, und sie sind dabei ortsunabhängig und zeitlich flexibel.
Das E-Learning-Programm Straßenpädagogik wird seit 2016 im Turnus von 18 Monaten angeboten.
Jeder einzelne Kurs sowie der Fernlehrgang insgesamt werden permanent evaluiert und
aktualisiert. Die in den folgen- den Text eingefügten Zitate sind den Rückmeldungen der
Teilnehmerinnen entnommen.

Adressat_innen

Der Adressat_innenkreis des Programms ist weit gefasst – wer immer sich für das Thema
»Junge Menschen am Rande der Gesellschaft« interessiert, dazu mehr erfahren möchte oder auf
diesem Gebiet bereits tätig ist, ist angesprochen, vor allem aber Mitarbeiter_innen sozialer
Institutionen sowie Studierende und Absolvent_ innen unterschiedlicher Fachrichtungen wie der
Sozial- arbeit und Sozialpädagogik; Zielgruppen sind insbeson- dere Mitarbeiter_innen des
staatlichen oder kirchlichen Entwicklungsdienstes und von Wohlfahrtseinrichtungen;
Psycholog_innen und Pädagog_innen aller Schul- formen einschließlich berufsbildender
Schulen (Elementarpädagog_innen, Schulpsycholog_innen, Bera- tungslehrer_innen), die
mit inklusiver Bildung und Beratungs-, Diagnose- und Förderaufgaben befasst sind.

Kompetenzen

Das E-Learning-Programm vermittelt grundlegendes theoretisches, empirisches und praktisches
Wissen über Alltagsbedingungen und Schicksale junger Menschen in riskanten Lebenslagen. Die
Programmteilnehmer_innen erwerben die erforderlichen Kompetenzen, um Orientierungs- und
Bildungsangebote für gesellschaftlich be- nachteiligte Kinder und Jugendliche zu entwickeln und
praktisch umzusetzen.
In jedem der sechs Kurse bearbeiten die Teilnehmer_ innen 20 bis 28 Aufgabenstellungen, die
von den Betreuer_innen (in Deutschland sind es zwei Professoren und eine
wissenschaftliche Mitarbeiterin, in Kolumbien 12 Expert_innen) zeitnah kommentiert und bewertet werden. Diskussionsforen sorgen dafür, dass
sich die Teilnehmer_innen untereinander über ihre Kenntnisse und Erfahrungen austauschen können.
Der Einsatz von Medien – selbst produzierte Filme, Interviews, Fotodokumentationen –
trägt zur intensiven Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit der betroffenen jungen Menschen bei.

Die Teilnehmer_innen erwerben:

• ein umfangreiches theoretisches, historisches und praktisches Wissen über Schicksale
und Alltag von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in prekären Lebenslagen – von
Straßenkindern, »Kindermüttern«, Kindersoldaten, Kriegskindern, Flüchtlingskindern usw.;
• sie reflektieren das Phänomen gesellschaftlicher Exklusion Minderjähriger vor dem
Hintergrund der Ge- schichte der Kindheit sowie einschlägiger Theorien und Konzeptionen zu
Armut, Globalisierung und weltweiter (Un-) Gerechtigkeit;
• sie werden befähigt, die jeweiligen politischen, sozia- len und historisch bedingten
Lebensumstände Betroffener in ihren globalen Ausprägungen mit wissenschaftlichen Methoden
zu analysieren;
• sie vertiefen ihre Selbstkompetenz durch Reflektion ihrer eigenen emotionalen und kognitiven
Wahrnehmung, und
• sie lernen Forschungsmethoden im Feld der Straße kennen, auf deren Grundlage sie
lebensdienliche Orientierungs- und Bildungsangebote entwickeln, die die Selbstkompetenz
gesellschaftlich benachteiligter junger Menschen fördern.

 

Um diese Ziele zu erreichen, setzen sich die Teilnehmer_ innen in den sechs Kursen des Programms
mit folgenden Inhalten auseinander, die logisch aufeinander aufbauen:

Kurs 1: Verschenkt, missbraucht, vergessen
– »Kindermütter«
Der erste Kurs des Programms führt mit Texten, Fotos und authentischem Videomaterial an die
Problematik des Themas »Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen« heran. Es geht um
erste Einblicke in die Lebenssituation Straße. Die Teilnehmer_innen lernen kolumbianische
Mädchen im Alter ab 13, 14 Jahren kennen, die in der Prostitution ein Auskommen suchen.
Nicht wenige von ihnen werden schwanger; es kommt zu Abtreibungen, wiederholt zu Frühgeburten;
manche Jugendliche im Teenageralter bekommen Kinder und leben mit ihnen auf der Straße.
Dieser Kurs ist darauf angelegt, vor allem über die Lebensgeschichten der Mädchen, d. h.
mittels kurzen biografischen Skizzen, die Teilnehmer_innen mit der Thematik vertraut zu
machen, sie dafür aufzuschließen und ihnen Einblicke in ein neues Wissensgebiet zu vermitteln.

Der erste Kurs des Programms erschließt Gegenden der Stadt, gekennzeichnet von Prostitution,
Drogenhan- del und Gewaltexzessen, die durch unsichtbare Grenzen von den Vierteln der besser
gestellten Gesellschaftsschichten getrennt sind. Die Teilnehmer_innen werden sukzessiv an
soziologische und ethnographische Fragestellungen herangeführt, die in späteren Kursen forschungsmethodisch aufgegriffen und vertieft werden.
Das didaktische und methodische Vorgehen ist stringent geplant und mehrfach in der Praxis
überprüft worden.
Diejenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die be- reits über praktische Erfahrungen zum Thema
verfügen, werden angeregt, ihre Kenntnisse neu zu reflektieren und zu vertiefen. »Ich habe
mich bereits vorher z. B. im Rahmen meines Freiwilligendienstes mit dem Thema ›Leben auf der
Straße‹ beschäftigt. Ich fand es sehr spannend und auch wichtig für mich selbst und für die weitere
Reflexion des Erlebten, mich jetzt auch theoretisch damit auseinanderzusetzen. Wichtig fand
ich vor allem, den Bogen von Kolumbien nach Deutschland bzw. Europa zu schla- gen, denn
dass beispielsweise die deutsch-tschechische Grenze als ein Hauptgebiet von
Kinderprostitution in Deutschland gilt, wusste ich nicht.«
Die einzelnen Kurse sind, ebenso wie das Programm insgesamt, so aufgebaut, dass die
Teilnehmer_innen den roten Faden erkennen und mit seiner Hilfe ihr Wissen und ihr
Nachdenken Schritt um Schritt vertiefen können. Das didaktische und methodische Vorgehen im Ver-
lauf des Programms ist stringent geplant und mehrfach in der Praxis überprüft worden. Besonders die
eigens im Projekt Patio13 aufgenommenen Fotos und die selbst produzierten Videos tragen zur
Verlebendigung des Stoffes bei: »Wir werden in den Videos mitgenommen und an die verschiedenen
Orte geführt, an denen Straßenbewohner ihr Leben verbringen. So erleben wir also ein
Stück weit mit, wie es ihnen im Alltag ergeht […] Gerade die Fotos haben mir geholfen,
mich gut in die jeweilige Situation einzufühlen und so die Aufgaben sehr motiviert
bearbeiten zu können.«
Jeder Kurs des Programms ist in inhaltliche Abschnitte eingeteilt, und jeder einzelne Teil
endet mit einer Aufgabenstellung, die die Teilnehmer_innen schriftlich bearbeiten. Das Programm
schickt die Texte an die jeweiligen Betreuer_innen, die darauf mit einem Kommentar und einer
Bewertung reagieren.

Die Aufgaben sind mit Bedacht formuliert und in der Erprobungsphase des Programms
mehrfach überprüft worden. Von den Aufgabenstellungen und dem Schwierigkeitsgrad werden
die Teilnehmer_innen gefordert, aber nicht überfordert. Während sie ihr theoretisches Wissen
vertiefen, werden sie gleichzeitig zur Selbstreflexion ermuntert. Die behandelten
Themen werden so vermittelt, reflektiert und in den Foren dis- kutiert, dass die Teilnehmer_innen
als an Bildung inter- essierte oder in einem pädagogischen Bereich tätige Menschen ihre
Persönlichkeit bereichern können und dadurch auch selbst nachhaltig geprägt werden. Die gebotenen Informationen und Anregungen stärken und fördern das bestehende oder künftige
Engagement der Teilnehmer_innen für Kinder und Jugendliche am Rand der Gesellschaft.
Die Teilnehmer_innen drücken aus, dass sie die Vorteile des E-Learnings gegenüber traditionellen
Präsenzseminaren schätzen.
Besonders förderlich für die Arbeit im E-Learning- Programm ist der beständige Kontakt mit
den Betreuer_ innen. Sie stehen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung. Mit ihren
Kommentaren und der Bewertung der jeweiligen Aufgabenlösung tragen die Mentoren zur Intensivierung der Lernprozesse bei.
Die Chancen eines E-Learning-Programms bestehen darin, dass die Inhalte immer wieder verbessert,
die Daten aktualisiert und die Aufgabenstellungen nach Bedarf erneuert werden können.
Das Programm geht das Wagnis ein, eine komplexe Thematik wie die Straßenpädagogik mithilfe des
Medi- ums E-Learning zu vermitteln. Überraschenderweise drücken so gut wie alle
Teilnehmer_innen aus, dass sie dessen Vorteile gegenüber einem Studium in traditionellen
Präsenzseminaren schätzen. Das zeigt sich im Hinblick auf die anhaltende Motivation und den
wachsenden Wissenserwerb. Besonders praktisch ist es für das vertie- fende Studium, für
Recherchen und Lektüre sowie für die Ausarbeitung der Aufgabenlösung, Ort und Zeit weitgehend
selbst bestimmen zu können. Der Erkenntniszuwachs wird von den Teilnehmer_innen durchweg höher als als bei traditionellen Lehr- und Lernmethoden eingeschätzt.
Kurs 2:

… PDF mit vollständigem Inhalt zum Download